Angehen und Anhalten

Wir stehen neben unserem Pferd, haben die Zügel in der Hand und wollen los. Ein herzhaftes „HÜ!“ funktioniert im Film, in der Realität in der Regel jedoch nicht. Deshalb benötigt man für das angehen bei der Handarbeit ein Kommando, denn da wir nicht drauf sitzen, können wir nicht unser normales Kommando geben. Das bedeutet, dass wir für die Handarbeit ein eigenes Kommando brauchen. Die meisten Pferdebesitzer verwenden oft eh schon einen einfachen Schnalzer um dem Pferd zu signalisieren, dass es losgehen soll, also könnte man den auch hier wieder verwenden und das ganze mit einem Gertentip verbinden.

Wichtig ist, dass man das Kommando gibt, und dem Pferd ein, zwei Sekunden Zeit lässt darauf zu reagieren. Das sind keine Maschinen die in Millisekunden umsetzen was wir denken. Und Gedankenlesen können die auch nicht. Vor allem können die nicht sofort adäquat reagieren wenn die gerade etwas neues lernen. Die müssen dann erstmal verstehen was wir wollen. Dazu verweise ich gerne auf den Beitrag zur Lerntheorie.

Wenn das Pferd das noch nicht kann

  • Stelle Dich neben Dein Pferd.
  • Nimm die Zügel auf
  • Verwende dein Stimmkommando für losgehen (Zum Beispiel einen Schnalzer)
  • Warte 1 Sekunde
  • Geht das Pferd nicht los: Tippe es mit der Gerte an
  • Warte 1 Sekunde
  • Geht das Pferd immer noch nicht los: Gib Dein Stimmkommando erneut und tippe ein bisschen fester mit der Gerte an während du dich nach vorne lehnst

In allen Fällen gilt: Du bleibst stehen bis das Pferd sich in Bewegung setzt. Sobald das Pferd losgeht lobst Du es! Egal ob mit Stimme, mit streicheln oder mit Keks. Es soll erst einmal nur lernen loszugehen. Dann kurz durchatmen und nochmal bis das Pferd auf dein Stimmkommando angeht.

Wenn das Pferd zuverlässig angeht

  • Stelle Dich neben Dein Pferd.
  • Nimm die Zügel auf
  • Verwende dein Stimmkommando für losgehen (Zum Beispiel einen Schnalzer)
  • Warte 1 Sekunde
  • Geht das Pferd nicht los: Tippe es mit der Gerte an
  • Warte 1 Sekunde
  • Geht das Pferd immer noch nicht los: Gib Dein Stimmkommando erneut und tippe ein bisschen fester mit der Gerte an während du dich nach vorne lehnst

Der Unterschied zu vorher: Jetzt gehst Du weiter und beginnst die eigentliche Arbeit. Kein Lob mehr für das Angehen außer vielleicht ein „Gut!“.

Anhalten

Nun befinden wir uns in Bewegung und möchten gerne anhalten. Auch hier wieder bedenken, dass unser Pferd keine direkte Gedankenverbindung zu uns hat. Also 1, 2 Sekunden Karenz für die Umsetzung berücksichtigen.

Die Eskalationskette für das Anhalten sieht bei uns folgendermaßen aus:

  • Stimmkommando für Anhalten geben
  • Warte 1 Sekunde
  • Hält das Pferd nicht an richtet man sich auf und spannt die Muskeln im Körper dafür etwas an (Tendenziell nach hinten lehnend denken)
  • Warte 1 Sekunde
  • Hält das Pferd nicht an nimm die Zügel leicht an
  • Warte 1 Sekunde
  • Hält das Pferd nicht an, bleib stehen und lass es in die Zügel laufen. WICHTIG! Nicht aktiv nach hinten ziehen, einfach stehen lassen. Wie stark der Druck wird entscheidet das Pferd. Damit es dich nicht mitreißt falls es einfach gegen den Druck anläft, drehe dich dabei um 90° zum Pferd hin, so kannst du stabil stehen bleiben.

Hält das Pferd schon beim Stimmkommando an, kann man es dafür immer loben. Denn je stärker sich das verfestigt umso besser, denn dann kann das auch als Notbremse im Ernstfall fungieren. Deshalb kann man das Anhalten auf Stimmkommando gar nicht oft genug loben.